Wie helft ihr Redaktionen, aus Artikeln ganz einfach Story-Formate zu erstellen?

Das Hochkant-Story-Format ist bildstark, funktioniert gut auf mobilen Devices, spricht auch jüngere Zielgruppen an und ist vielen Nutzer:innen durch Plattformen wie Instagram vertraut. Warum nutzen also nicht mehr Medienhäuser Hochkant-Storys – auch auf ihren eigenen Websites und Apps? Das Erstellen von Storys kostet Zeit, erfordert in der Regel Grafikkenntnisse und ist für viele Redakteur:innen ein zusätzlicher Arbeitsschritt im ohnehin stressigen Redaktionsalltag. Genau hier setzt Slidy an. Redaktionen können mithilfe des Tools Artikel automatisiert in ein visuelles Story-Format bringen. Im Interview zum Projektabschluss sprechen Projektleiter Gregor Landwehr und Product Owner Dmitrii Milovanov über die Idee hinter „Slidy“, die strategische Relevanz des Story-Formats und die nächsten Entwicklungsschritte.

Gregor Landwehr von Slidy
MIZ Innovation Pitch #9: Gregor Landwehr präsentiert „Slidy“
| © MIZ Babelsberg / Beata Böttcher-Sisak

Lieber Gregor, lieber Dmitrii, mit welchem konkreten Problem in der Medienbranche seid ihr gestartet und was ist eurer Lösungsansatz?

Gregor Landwehr: Mit Slidy adressieren wir gleich mehrere Probleme, die Medien – insbesondere auch Lokalmedien – haben: Die digitalen Angebote bestehen überwiegend aus Texten und Bildern. Damit passen sie nicht zu den Bedürfnissen einer jüngeren Zielgruppe. Und Nutzer:innen finden in den News-Apps häufig nicht die für sie relevanten Inhalte, dadurch sinkt am Ende auch die Zahlungsbereitschaft.

Slidy geht beide Themen an, indem wir auf eine visuell ansprechende und mobil-optimierte Umsetzung der Inhalte setzen. Und auf eine personalisierte Ausspielung damit User genau das finden, was sie auch interessiert. Das machen wir so, dass es die Redaktionen kaum zusätzliche Ressourcen kostet, da wir hier Technologie zum Einsatz bringen. Slidy zerlegt Artikel in Einzelbestandteile aus Textinhalten und visuellen Elementen. Anschließend werden sie in das Story-Format gebracht. Das sind einzelne Hochkant-Slides, die sich hervorragend eignen, um mobil-optimierte Geschichten zu erzählen.

Slidy bietet so ein Tool für Liquid Content. Vor der Veröffentlichung werden die Slides redaktionell abgenommen, dann können sie in der App oder auf der Website veröffentlicht werden. Damit sind Nachrichtenübersichten als Einstiegspunkt in einzelne Artikel möglich oder ganze Geschichten. Viele Nutzer:innen kennen das Format von Social-Media-Plattformen.

Wie funktioniert die automatisierte Umwandlung eines Artikels in eine Story technisch?

Dmitrii Milovanov: Da die Ressourcen in Redaktionen häufig knapp bemessen sind, greifen wir mit Slidy auf das zurück, was bereits vorhanden ist. Das sind meist Artikel und Fotos, aber auch Videos. Aus diesen erstellen wir automatisiert Stories – mithilfe von den Nutzer:innen festgelegten Templates, die als Vorlage für das Styling der Story dienen. Dieser Prozess umfasst die Analyse der Inhalte und deren Umwandlung in ein Slidy-natives Format. Um den textuellen Teil der Story zu generieren, nutzen wir Large Language Models (LLMs). Für die Positionierung und Analyse der Medien setzen wir eine Reihe von KI-gestützten Bildanalyse-Methoden ein. Dank der Templates erhalten Nutzer:innen eine Story im gewünschten Design, die bei Bedarf auch manuell in unserem benutzerfreundlichen Slidy-Editor angepasst werden können.

„Bei einer guten Einrichtung des Systems übernehmen wir alle Schritte von der Generierung der Storys bis zur personalisierten Ausspielung."

Welche Prozessschritte übernimmt Slidy? Und welche Schritte müssen die Redakteur:innen noch selbst übernehmen?

Gregor: Bei einer guten Einrichtung des Systems übernehmen wir alle Schritte von der Generierung der Storys bis zur personalisierten Ausspielung. In der Praxis empfehlen wir eine redaktionelle Abnahme oder einen redaktionellen Blick auf die erstellten Inhalte, auch wenn die Qualität mittlerweile so gut ist, dass dies gar nicht mehr nötig ist.

Dmitrii: Auch die Personalisierung übernimmt Slidy. Dafür modellieren wir Tracking-Daten, die wir zunächst bereinigenund analysieren, um relevante Merkmale zu erkennen, die anschließend in den Personalisierungsalgorithmus einfließen. Der Algorithmus berechnet für jede Story einen individuellen Score. Dieser basiert sowohl auf den gewählten Personalisierungseinstellungen als auch auf dem bisherigen Nutzerverhalten, beispielsweise bereits gelesenen Inhalten. Auf der Grundlage dieses Scores werden schließlich Empfehlungen generiert, die bestimmen, welche Storys Nutzer:innen bevorzugt ausgespielt werden. Wenn die Strategie einmal eingestellt ist, erfolgt der Rest automatisch.

„Das macht die eigenen Apps und Portale attraktiver und erhöht so auch die Zeit, die Nutzer:innen im Produkt verbringen und am Ende auch die Zahlungsbereitschaft."

Wie kann Slidy Medienhäusern helfen, ihre eigenen Angebote attraktiver zu gestalten und warum ist das strategisch wichtig?

Gregor: Durch die Aufbereitung der Inhalte als Storys bieten wir ein Format, das visuell stark ist und das von der Usability mobil gut funktioniert. Nutzer:innen kennen es aus anderen Plattformen. Das macht die eigenen Apps und Portale attraktiver und erhöht so auch die Zeit, die Nutzer:innen im Produkt verbringen und am Ende auch die Zahlungsbereitschaft.

Außerdem sorgen wir dafür, dass die für die jeweiligen Nutzer:innen relevanten Inhalte auch gefunden werden. Aktuell gehen viele Nutzer:innen auf Newsportale, lesen aber keinen Artikel. Nicht, weil es keine passenden gibt, sondern weil sie diese nicht finden. Deshalb setzen wir auf die personalisierte Ausspielung.

Haben Redaktionen Slidy bereits getestet und welches Nutzerfeedback habt ihr erhalten?

Gregor: Redaktionen nutzen Slidy bereits und vor allem das Feedback zur automatisierten Erstellung ist sehr gut. Manuell wäre es kaum möglich, in so einer Menge das Format zu produzieren. Auch die ersten Daten zeigen, dass durch das Format die Media Time in den Produkten steigt und auch die Zahl der Artikel, die Nutzer:innen lesen, wenn sie das Format angeboten bekommen.

Gregor Landwehr mit Olga Patlan und Matthias Bannert beim MIZ Innovation Pitch #9
Feedback von Matthias Bannert (r.), Mitgründer & Geschäftsführer Medieninsider, beim MIZ Innovation Pitch #9. | © MIZ Babelsberg / Beata Böttcher-Sisak

Wie gewährleistet ihr, dass die journalistische Qualität eines Artikels trotz Automatisierung und Formatwechsel ins Story-Format erhalten bleibt?

Gregor: Da das ursprüngliche Material immer der journalistische Artikel ist, bleibt die Qualität erhalten, auch wenn die Aufbereitung eine andere ist. Eine Redaktion kann immer entscheiden, ob sie die Storys eher als Teaser für den Einstieg in den Artikel verwendet, oder ob sie damit den gesamten Inhalt in verschiedenen Slides erzählt.

„Wir nehmen ein Bewusstsein wahr, dass viele mit ihren Digitalprodukten noch nicht zufrieden sind. Hier können wir helfen."

Gibt es deshalb in Redaktionen Bedenken und wenn ja, wie begegnet ihr ihnen?

Gregor: Bedenken gab es daher kaum. Eher großes Interesse und Neugier, dieses Format auszuprobieren. Wir nehmen ein Bewusstsein wahr, dass viele mit ihren Digitalprodukten noch nicht zufrieden sind. Hier können wir helfen.

Wie hat euch die MIZ-Innovationsförderung unterstützt?

Gregor: Die Förderung hat überhaupt erst ermöglicht, dass wir diese Entwicklung umsetzen konnten. Insofern war sie ganz maßgeblich. Dazu kommt natürlich eine Begleitung im ganzen Entwicklungsprozess, der Austausch mit den anderen Teams und ein hervorragendes Netzwerk in Berlin und Brandenburg. Beispielsweise haben wir –wie das Team des Förderprojekts HowTheyVote.eu Journalism Toolkit – eine kleine Feedback-Umfrage getestet. Darüber hinaus haben wir durch das Feedback von Medieninsider daran gearbeitet, wie insbesondere die Inhalte von größeren Recherchen optimal für das Format heruntergebrochen werden können.

Wie geht es nach dem Abschluss der MIZ-Förderung weiter und was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

Gregor: Aktuell sind wir in verschiedenen Tests mit unterschiedlichsten Redaktionen. Dabei entstehen natürlich auch weitere Wünsche für Anpassungen oder Funktionen wie eine Audioausgabe, die wir aktuell prüfen und umsetzen.

„Slidy finanziert sich als Software-Lizenz. Medienunternehmen können es über unsere Oberfläche oder auch verbaut in ihrer Infrastruktur als Story-Engine nutzen."

Wie plant ihr Slidy langfristig zu finanzieren und wie können Medienhäuser das Tool nutzen?

Gregor: Slidy finanziert sich als Software-Lizenz. Medienunternehmen können es über unsere Oberfläche oder auch verbaut in ihrer Infrastruktur als Story-Engine nutzen. Wir sehen dies als einen Baustein in Richtung Liquid Content, wenn aus Artikeln Storys werden. Dies sollte am Ende keine zusätzliche redaktionelle Arbeit, sondern ein automatisierter Prozess sein, der zu besseren Digitalprodukten führt.

>>> zur Website von „Slidy“
>>> Projektseite von „Slidy“ auf der MIZ-Website
>>> Abschlusspräsentation von „Slidy“ beim MIZ Innovation Pitch #9 (startet ab 00:45:15)

Ansprechperson

Marion Franke Portrait Foto

Marion Franke

Innovationsförderung

Marion leitet den Bereich Innovationsförderung. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Fragen zu den Förderbedingungen, der Antragstellung und verantwortlich für die Betreuung der Projekte.

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